Was ist Cannabis?

Cannabis ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Sie wird seit Jahrtausenden vom Menschen genutzt – unter anderem als Nutzpflanze, Heilpflanze und Kulturpflanze. Heute steht Cannabis vor allem im Zusammenhang mit seinen Inhaltsstoffen, seiner Wirkung auf den menschlichen Körper und seinem gezielten Anbau.

Der Begriff Cannabis beschreibt dabei immer die gesamte Pflanze, also Blüten, Blätter, Stängel und Samen.


Die Cannabispflanze und ihre Inhaltsstoffe

Cannabis enthält eine Vielzahl natürlicher Wirkstoffe, die sogenannten Cannabinoide. Bis heute sind über 100 verschiedene Cannabinoide bekannt. Besonders relevant sind:

  • THC (Tetrahydrocannabinol)
    THC ist der bekannteste psychoaktive Inhaltsstoff von Cannabis. Er ist hauptsächlich für die bewusstseinsverändernden Effekte verantwortlich.
  • CBD (Cannabidiol)
    CBD wirkt nicht berauschend. Es wird vor allem wegen seiner potenziell ausgleichenden und entspannenden Eigenschaften erforscht und genutzt.

Neben Cannabinoiden enthält Cannabis auch Terpene und Flavonoide, die Geruch, Geschmack und Wirkung der Pflanze mitbestimmen.


Wie wirkt Cannabis im Körper?

Die Wirkung von Cannabis entsteht durch das Zusammenspiel seiner Inhaltsstoffe mit dem Endocannabinoid-System des menschlichen Körpers. Dieses System ist an vielen grundlegenden Prozessen beteiligt, unter anderem an:

  • Stimmung und Stressverarbeitung
  • Schlaf und Wachrhythmus
  • Appetit
  • Schmerzempfinden

Je nach Zusammensetzung der Cannabinoide und Terpene kann Cannabis sehr unterschiedlich wirken. Faktoren wie Sorte, Dosierung, Konsumform und individuelle Veranlagung spielen dabei eine entscheidende Rolle.


Die Haupttypen von Cannabis

Botanisch wird Cannabis häufig in drei Haupttypen unterteilt: Cannabis indica, Cannabis sativa und Cannabis ruderalis. Diese Einteilung basiert auf Herkunft, Wuchsform und Entwicklungsverhalten der Pflanzen. In der modernen Zucht werden diese Typen jedoch oft miteinander kombiniert.

Cannabis indica

Cannabis indica stammt ursprünglich aus Regionen mit eher rauem Klima, etwa aus dem zentralasiatischen Hochland.

Typische Merkmale:

  • kompakter, buschiger Wuchs
  • breite, meist dunkelgrüne Blätter
  • vergleichsweise kurze Blütezeit
  • robuste und widerstandsfähige Pflanzen

Indica-dominante Pflanzen werden häufig mit eher körperbetonten, entspannenden Effekten in Verbindung gebracht. Diese Zuordnung ist jedoch vereinfacht und nicht allein ausschlaggebend für die tatsächliche Wirkung.


Cannabis sativa

Cannabis sativa hat seinen Ursprung in äquatornahen Regionen mit langen Wachstumsphasen und intensiver Sonneneinstrahlung.

Typische Merkmale:

  • hoher, schlanker Wuchs
  • schmale, hellere Blätter
  • längere Blütezeit
  • höherer Platz- und Lichtbedarf

Sativa-dominante Pflanzen werden oft mit eher anregenden und klaren Effekten assoziiert. Auch hier gilt: Die Wirkung hängt maßgeblich von der chemischen Zusammensetzung der Pflanze ab.


Cannabis ruderalis

Cannabis ruderalis stammt aus nördlichen Regionen wie Osteuropa und Zentralasien und unterscheidet sich deutlich von Indica und Sativa.

Typische Merkmale:

  • kleiner, gedrungener Wuchs
  • kurze Lebensdauer
  • geringe Erträge
  • niedriger natürlicher THC-Gehalt

Das besondere Merkmal von Cannabis ruderalis ist die Autoflowering-Eigenschaft. Diese Pflanzen beginnen unabhängig vom Lichtzyklus zu blühen. In der Zucht wird Ruderalis daher hauptsächlich genutzt, um automatisch blühende Sorten zu entwickeln.


Nutzhanf

Nutzhanf ist ebenfalls Cannabis sativa. Botanisch gibt es keinen eigenen Pflanzentyp, der sich grundsätzlich von anderem Cannabis unterscheidet. Der entscheidende Unterschied liegt ausschließlich im THC-Gehalt.

Als Nutzhanf werden bestimmte Cannabis-sativa-Sorten bezeichnet, deren THC-Gehalt unter der gesetzlich festgelegten Grenze liegt. In der Europäischen Union liegt diese Grenze derzeit bei 0,3 % THC. Nur Sorten, die diesen Wert unterschreiten und offiziell zugelassen sind, gelten rechtlich als Nutzhanf.

Nutzhanf wird vor allem für industrielle und landwirtschaftliche Zwecke angebaut, etwa zur Herstellung von:

  • Fasern und Textilien
  • Lebensmitteln und Speiseölen
  • Baustoffen
  • Kosmetikprodukten

Zusammengefasst: Nutzhanf ist kein eigenes Cannabis, sondern Cannabis sativa mit einem sehr niedrigen THC-Gehalt, der ihn rechtlich und praktisch von anderen Sorten unterscheidet.


Moderne Cannabissorten

Die meisten heute angebauten Cannabissorten sind Hybride, also Kreuzungen aus Indica, Sativa und/oder Ruderalis. Reine, unveränderte Typen sind selten geworden.

Für Eigenschaften einer Pflanze sind heute vor allem entscheidend:

  • das Verhältnis von THC, CBD und weiteren Cannabinoiden
  • das individuelle Terpenprofil
  • Anbaubedingungen, Pflege und Erntezeitpunkt

Die Einteilung in Indica, Sativa und Ruderalis dient daher hauptsächlich als Orientierung, nicht als feste Wirkungsbeschreibung.

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