Temperatur & Luftfeuchtigkeit
Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflussen nahezu jeden Prozess in der Pflanze. Sie bestimmen, wie effizient Wasser verdunstet, wie aktiv die Wurzeln arbeiten und wie gut Nährstoffe transportiert werden. Gleichzeitig wirken sie sich direkt auf Wachstum, Blütenentwicklung sowie auf die Bildung von Cannabinoiden und Terpenen aus.
Fehler in diesem Bereich zeigen sich oft indirekt: als Gießprobleme, Mangelerscheinungen oder schwache Blüten – obwohl Licht und Dünger scheinbar stimmen.
Ideale Werte im Überblick
Sämlinge & Jungpflanzen (ca. Woche 1–2)
Tag:
- Temperatur: 23–26 °C
- Luftfeuchtigkeit: 65–75 %
Nacht:
- Temperatur: 21–24 °C
- Luftfeuchtigkeit: 70–80 %
In dieser Phase ist das Wurzelsystem noch wenig entwickelt. Eine höhere Luftfeuchtigkeit reduziert den Verdunstungsdruck und entlastet die jungen Wurzeln.
Wachstumsphase / Vegetation (ca. Woche 3–7)
Tag:
- Temperatur: 22–26 °C
- Luftfeuchtigkeit: 55–70 %
Nacht:
- Temperatur: 20–23 °C
- Luftfeuchtigkeit: 60–75 %
Jetzt übernimmt das Wurzelsystem die Hauptversorgung. Eine leicht niedrigere Luftfeuchtigkeit fördert Transpiration, Wurzelaktivität und gleichmäßiges Wachstum.
Blütephase – früh bis mittel (ca. Woche 8–12)
Tag:
- Temperatur: 20–24 °C
- Luftfeuchtigkeit: 45–55 %
Nacht:
- Temperatur: 18–21 °C
- Luftfeuchtigkeit: 50–60 %
Mit zunehmender Blütenbildung steigt der Wasser- und Nährstoffbedarf. Gleichzeitig wird die Kontrolle der Luftfeuchtigkeit wichtiger, um Schimmel zu vermeiden.
Endstadium der Blüte (ca. Woche 13–16+)
Tag:
- Temperatur: 18–22 °C
- Luftfeuchtigkeit: 35–45 %
Nacht:
- Temperatur: 16–20 °C
- Luftfeuchtigkeit: 40–50 %
Im Endstadium steht die Ausreifung im Fokus. Kühlere Temperaturen und niedrigere Luftfeuchte unterstützen feste Blüten und helfen, Terpene zu erhalten.
Einordnung
Die Wochenangaben dienen nur der Orientierung. Genetik, Topfgröße, Training und Setup können die Phasen deutlich verkürzen oder verlängern. Entscheidend ist immer der Zustand der Pflanze, nicht der Kalender.
Tag-/Nacht-Temperaturunterschied (Temperatur-Delta)
Ein moderater Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht unterstützt natürliche Wachstumsprozesse. Als Richtwert gelten 3–6 °C Unterschied.
Ein leicht kühleres Nachtklima:
- entlastet den Stoffwechsel
- reduziert unnötige Verdunstung
- unterstützt eine gleichmäßige Entwicklung
Ist der Unterschied zu klein (0–2 °C), bleibt die Pflanze dauerhaft „auf Drehzahl“.
Ist er zu groß (über 7–8 °C), kann es zu Stress, trägen Wurzeln und erhöhter Kondensation kommen.
Besonders wichtig: Sinkt die Temperatur nachts, steigt automatisch die relative Luftfeuchtigkeit. Deshalb ist ein moderates Delta sinnvoller als eine starke Absenkung.
Warum Temperatur & Luftfeuchtigkeit so eng zusammenhängen
Pflanzen regulieren ihren Wasserhaushalt über Transpiration – also die Verdunstung über die Blätter. Dieser Prozess hängt nicht von einem einzelnen Wert ab, sondern vom Zusammenspiel aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
Genau hier kommt das Konzept der VPD (Vapour Pressure Deficit) ins Spiel.
Die VPD-Tabelle
Grafik der VPD-Tabelle folgt…
Die VPD beschreibt, wie stark die Luft Feuchtigkeit aufnehmen kann. Sie ist damit ein Maß dafür, wie stark die Pflanze Wasser verdunstet.
- Zu niedrige VPD → kaum Verdunstung
- Zu hohe VPD → übermäßige Verdunstung
Beides führt zu Stress.
Ein optimaler VPD-Bereich sorgt dafür, dass:
- Wasser gleichmäßig aus den Wurzeln nachgezogen wird
- Nährstoffe effizient transportiert werden
- Wurzeln aktiv bleiben
- Wachstum stabil verläuft
Auswirkungen auf Pflanze und Wurzeln
Zu hohe Temperatur
- beschleunigte Verdunstung
- erhöhter Wasserbedarf
- Stress für Blätter und Wurzeln
- verlangsamte Nährstoffaufnahme
Wurzeln reagieren besonders empfindlich, da sie unter Hitze weniger Sauerstoff aufnehmen können.
Zu niedrige Temperatur
- verlangsamter Stoffwechsel
- träge Wurzeln
- schlechtere Nährstoffaufnahme
- gehemmtes Wachstum
Vor allem kalte Wurzelzonen wirken wie eine permanente Bremse.
Zu hohe Luftfeuchtigkeit
- geringe Transpiration
- Wasser steht im Substrat
- Sauerstoffmangel an den Wurzeln
- erhöhtes Schimmelrisiko
Die Pflanze „trinkt nicht“, obwohl Wasser vorhanden ist.
Zu niedrige Luftfeuchtigkeit
- extreme Verdunstung
- hoher Wasserverbrauch
- Stressreaktionen
- gestörter Stoffwechsel
Besonders junge Pflanzen reagieren hier empfindlich.
Einfluss auf Cannabinoide & Terpene
Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflussen nicht nur das Wachstum, sondern auch die Qualität.
- Zu hohe Temperaturen können Terpene verflüchtigen
- Zu trockene Luft stresst die Pflanze und reduziert Aromaentwicklung
- Moderate Temperaturen fördern eine saubere Reifung
- Stabile Bedingungen begünstigen gleichmäßige Cannabinoidbildung
Gerade in der späten Blüte entscheidet das Klima darüber, ob das genetische Potenzial wirklich ausgeschöpft wird.
Der wichtigste Zusammenhang
Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Gießen und Wurzelgesundheit sind nicht getrennt voneinander zu betrachten. Sie beeinflussen sich gegenseitig:
- Klima bestimmt Transpiration
- Transpiration steuert Wasseraufnahme
- Wasseraufnahme hält Wurzeln aktiv
- Aktive Wurzeln ermöglichen Nährstoffaufnahme
Stimmt das Klima nicht, geraten alle folgenden Prozesse aus dem Gleichgewicht.
